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Geschichte der Bruderschaft zu unserer Lieben Frau

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Die Tuchmacherei war das bedeutendste Gewerbe der mittelalterlichen Stadt Goch. Die Verwaltung der Tuchmacher-Gilde, das sogenannte Wüllenamt, oblag vier Werkmeistern und zwölf Geschworenen.

Dieser Vorstand wurde am 2. Februar, auf Mariä Lichtmeß, gewählt. In enger Verbindung mit dem Wüllenamt stand die Bruderschaft zu Unserer Lieben Frau.

Wer von diesen beiden Einrichtungen älter ist, kann nicht mehr genau festgestellt werden. Das Wüllenamt besteht seit dem 13. Jahrhundert und wahrscheinlich noch früher. Es gibt auf das Wüllenamt in Goch zwei historische Hinweise und zwar 1329 von Graf Dietrich dem III. von Kleve und 1390 von dem Geldrischen
Landesfürsten Herzog Wilhelm.

Hier wird jeweils das Wüllenamt in Goch als vorbildliche Einrichtung beschrieben und anderen erlaubt, nach deren Grundsätzen Tücher herzustellen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts vereinigten sich die Tuchmacher-Gilde mit der Bruderschaft zu Unserer Lieben Frau und ging vollständig in dieser auf. Seit dieser Zeit wird die Stiftung von dem Provisoren-Kollegium, das aus 16 katholischen Männern besteht, geführt.

Seit ihrem Bestehen befaßten sich Wüllenamt und Bruderschaft mit der Verwaltung und Verteilung von Spenden, die armen Bürgern zugute kamen. Da die Stiftung von Anfang an gewissenhaft geführt wurde und als caritative Einrichtung sich der Alten- und Armenfürsorge widmete, flossen ihr im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Stiftungen zu.

Ein wichtiges historisches Datum ist der Ablassbrief von 1363, der von der Bruderschaft erworben wurde.

Er zeigt, dass die Bruderschaft schon damals über beträchtliche Mittel verfügte. Eine päpstliche Ablassbulle aus Avignon, die von 4 Erzbischöfen und 20 Bischöfen unterschrieben wurde, muß einiges gekostethaben.

Sich auf dieses Datum beziehend, feierte die Bruderschaft bereits 1764 ihr 400-jähriges Jubiläum. Erstaunlich ist, dass sich der Grundgedanke der Stifter, „Armen, Kranken und alten Menschen zu helfen“, bis auf den heutigen Tag erhalten hat, wobei heute der Schwerpunkt auf der Fürsorge für alte Menschen liegt.

Ein Glücksfall ist auch, dass sich die Bruderschaft über all die Jahrhunderte durch die Wirren der Zeit behauptet hat. Dies liegt zum einen an den Stiftungsgrundsätzen, wie auch an der Unabhängigkeit von Staat und Kirche. Die Stiftungen, die der Bruderschaft im Laufe der Jahrhunderte zugeflossen sind, wie Ländereien, das Männerhaus 1455 und das Frauenhaus 1504 haben den Fortbestand der Stiftung gesichert und gefestigt.

Seit dieser Zeit werden diese beiden Häuser im Sinne der Stifter als Senioreneinrichtungen genutzt. Auch im letzten Jahrhundert sind bedeutende Einrichtungen geschaffen worden. Aus diesen Daten wird deutlich, dass nach dem 2. Weltkrieg im Sinne der Stiftung erhebliches geleistet wurde.

Das Gute an der Stiftung ist auch, dass das Vermögen und all die Erträge, die hieraus erzielt wurden, für die
von uns unterhaltenen sozialen Einrichtungen verwandt werden.

Dadurch, dass 16 Gocher Bürger aus unterschiedlichen Berufen dem Vorstand angehören, wird die Verantwortung und der Sachverstand auf viele Schultern verteilt. Hierdurch werden Entscheidungen zwar nicht einfacher, aber die Bedachtsamkeit, das Ausdiskutieren und die Pluralität von Meinungen hat auch große Vorteile und dient letztendlich der Stiftung.

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